Unsere Video-Podcast-Reihe zu neuer Musik gibt es auch als Audio-Podcast auf SoundCloud. Erklärt werden Besonderheiten der Spiel- und Kompositionsweisen sowie die Entstehungsbedingungen der Werke.
In der vierten Folge stellen wir den italienischen Komponisten Giacinto Scelsi (1905‒1988) vor und sein Stück Arc en ciel aus dem Jahr 1973 ‒ auf Deutsch: Regenbogen.
Ein Musikstück aus nur einem Ton? Wie soll man sich das vorstellen? Das könnte doch im wahrsten Sinne des Wortes eintönig und langweilig klingen.
Ein Markenzeichen von Giacinto Scelsi ist es, ganze Stücke um nur einen einzelnen Ton kreisen zu lassen. Er knüpft damit an eine Ästhetik an, die in der Musik Asiens, die ihn zeitlebens faszinierte, weit verbreitet ist: die Auffassung des Einzeltons als selbstgenügsames Wesen. Der Ton wird angestimmt und verlöscht, er blüht auf, erfährt Krisen, nimmt erneuten Aufschwung, hält sich konstant oder beginnt zu flackern. – Ja, auch ein einziger Ton kann ‒ so betrachtet ‒ ganze Geschichten erzählen!
Die beiden Streicherinnen des Ensemble Horizonte aus Detmold demonstrieren, wie eine ganze Klangwelt entsteht, obwohl das Stück nur um einen Ton kreist. Hören Sie rein!